BROTschafter: „Heidekorn“ (Heidebäckerei Meyer)

Ein Brot mit Charakter, regionalem Profil, kreativen Zutaten und ein Brot, bei dem ich ein klein wenig Einfluss genommen habe ;0)

Ein Sauerteig-Roggenmischbrot ist ja hier im Lande erst einmal nichts außergewöhnliches – ein solider, leckerer Klassiker. Aber genau an dem Punkt geht das „Heidekorn“ der Heidebäckerei Meyer zielstrebig weiter. Im Misch-Brot-Teig wandern noch, und jetzt wird es interessant, geröstetes Raps-Schrot, geröstetes Buchweizen-Schrot und ein kräftiger Schuss gutes Raps-Öl. DAS ist mal innovativ. Mit Raps-Schrot zu backen….darauf wäre ich nie gekommen – und habe es bisher auch noch nie gesehen, erlebt, geschmeckt, geschweige denn davon gehört.

Das „Heidekorn“ überrascht bereits beim ersten Bissen mit unglaublich nussigen und würzigen Noten mit einem leicht „pfeffrigen“ Anklang. Auch im Regal liegend zeigt es sich mit seinen Nuss-braunen Farbtönen, seinen dunklen Honig-Nuancen und der schimmernd-glänzenden Kruste, bei der sich überall die Schrot-Anteile zeigen und somit einen kernigen Charakter im Biss vermuten und erwarten lassen, als echter Blickfang. Durch einen nennenswerten Anteil an Sauerteig entwickelt sich ein ausgewogen-aromatisches Säureprofil und ein kräftiger Geschmack, der bestens mit den nussigen und würzigen Noten harmoniert – auch trägt der Sauerteig zur Frischhaltung und zur Schimmel-Resistenz bei. Das Brot zeigt sich äußerst saftig und hält sich (bei richtiger Lagerung) sehr lange frisch (ich hatte auch nach 5 Tagen noch ein sehr schmackhaftes und sensorisch gutes und einwandfreies Brot vorgefunden).

Für mich ist es ein sehr charakterstarkes Brot mit äußerst interessanten Zutaten und einem sehr regionalen Profil, da sowohl Raps als auch Buchweizen keine Unbekannten hier im Norden Deutschlands sind. Der Raps erstrahlt Jahr um Jahr in einem strahlenden gelb quasi direkt vor den Toren der Heidebäckerei rund um Wahrenholz. Und der Buchweizen trägt nicht zufällig den Namen „Heidekorn“ – auf den teils kargen Heideböden zeigt sich das Knöterichgewächs geduldig und genügsam; wo sonst andere Getreide- und Pseudo-Getreide-Sorten Schwierigkeiten haben, „Fuß“ zu fassen, zeigt sich der Buchweizen zufrieden.

Was war mein Anteil?

Im Dezember letzten Jahres hatte ich das große Vergnügen, auf Einladung von Herrn Oliver Meyer die Heidebäckerei Meyer in ihrer Wirkungsstätte zu besuchen, mir die Backstuben anzuschauen und von Herrn Herbert Meyer persönlich herum geführt zu werden, inklusiver ausführlichen Schilderungen. Bei einer Tasse Kaffee kamen wir ins Gespräch und ins Plaudern, wobei deutlich wurde, dass Herr Meyer ein sehr leidenschaftlicher Meister seiner Zunft ist. Er lebt und liebt das Backen! Und dabei sind ihm auch die natürliche Entwicklungen von Aromen (z.B. durch Rösten, durch fermentieren – teilweise sogar 5-stufige Sauerteigführungen, durch die Verwendung natürlicher Zutaten, durch lange Gare, …) ein wichtiges Anliegen – keine Gärbeschleunigung, keine synthetischen Backhelfer, keine Fertig-Tüten und Mischungen sondern authentisches, traditionelles und ursprüngliches Handwerk!

Jedenfalls plauderten wir ein wenig und Herr Meyer erzählte mir von dem Vorhaben, gerösteten Raps-Schrot in einem Mischbrot zu verbacken. Ich ergänzte die Idee um Buchweizen-Schrot und einem Röst-Vorgang und da Buchweizen ja auch „Heidekorn“ genannt wird und die Heidebäckerei Meyer nun einmal eine HEIDE-Bäckerei ist, empfand ich den Namen „Heidekorn“ prädestiniert für die Kreation :0) Herr Meyer und Herr Franz (Produktionsleiter) verfeinerten und perfektionierten die Idee noch, so dass ein Brot entstand, bei dem Leidenschaft und Kreativität – sowohl durch Bäckermeister als auch durch Hobby-Bäcker und Brot-Blogger – eingeflossen sind. Das handwerkliche Know-How und Können produzierte schlussendlich daraus ein Brot, das für mich ein ganz besonderes Roggen-Mischbrot ist.

Wer in Niedersachsen (Osten/ Nord-Osten) beheimatet oder für sein Urlaub hier ist, sollte ruhig einmal den Weg zu diesem Brot wagen – gerne könnt ihr mir auch euer Feedback dazu geben :0)

Gut gelockert, mittelporig, saftig und mit geröstetem Schrot durchzogen – eine leckere, nussig-würzige Krume mit aromatischem Säureprofil

Heidekorn-Flyer

 

Alle Infos zur BROTschafter-Kategorie findest du hier: https://www.brotpoet.de/2019/04/13/brotschafter/

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